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Letzte Modifikation am 27.9.2001

Bureau-Ordnung von 1870

Das Personal braucht jetzt nur noch an Wochentagen zwischen 6 Uhr vormittags und 6 Uhr nachmittags anwesend zu sein. Es wird erwartet, dass alle Mitarbeiter ohne Aufforderung Überstunden machen, wenn es die Arbeit erfordert. Der dienstälteste Angestellte ist für die Sauberkeit des Bureaus verantwortlich. Alle Jungen und Junioren melden sich bei ihm 40 Minuten vor Arbeitsbeginn und bleiben auch nach Arbeitsschluss zur Verfügung. Während der Bureaustunden darf nicht gesprochen werden. Die Einnahme von Nahrung ist zwischen 11.30 und 12.00 Uhr erlaubt. Jedoch darf die Arbeit dabei nicht eingestellt werden.
Einfache Kleidung ist Vorschrift. Das Personal darf sich nicht in hell-schimmernden Farben bewegen und nur ordentliche Strümpfe tragen. Überschuhe und Mäntel dürfen im Bureau nicht getragen werden, da dem Personal ein Ofen zur Verfügung steht. Ausgenommen sind bei schlechtem Wetter Halstücher und Hüte. Ausserdem wird empfohlen, in Winterzeiten täglich 4 Pfund Kohle pro Personalmitglied mitzubringen. Das Verlangen nach Tabak, Wein oder geistigen Getränken ist eine Schwäche des Fleisches und als solche allen Mitgliedern des Bureaupersonals untersagt. Ein Angestellter, der Billiardsäle und politische Lokale aufsucht gibt Anlass seine Ehre, Gesinnung, Rechtschaffenheit und Redlichkeit anuzweifeln. Weibliche Angestellte haben sich eines frommen Lebenswandels zu befleissigen. Jeder Angestellte hat die Pflicht, für die Erhaltung seiner Gesundheit zu sorgen. Kranke Angestellte erhalten keinen Lohn. Deshalb sollte jeder verantwortungsbewusste Commis von seinem Lohn eine gewisse Summe zurücklegen, damit er bei Arbeitsunvermögen oder bei abnehmender Schaffenskraft nicht der Allgemeinheit zur Last fällt.
Ferien gibt es nur in dringenden familliären Fällen. Lohn wird für die Zeit nicht bezahlt. Jeder Angestellte hat die Pflicht, den Chef über alles zu informieren, was über diesen dienstlich und privat gesprochen wird. Denken sie immer daran, dass sie ihrem Brotgeber Dank schuldig sind. Er ernährt sie schliesslich.

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